Tagebuch Opa

Kriegserinnerungen (1939–1946)

Dieser Bericht schildert die Erlebnisse eines Stabsarztes der Wehrmacht (Sanitätskompanie 2/260) von der Mobilmachung bis zum privaten und beruflichen Neuanfang. Im Zentrum stehen der Überlebenskampf an der Ostfront, die dramatische Rettung der Familie und die medizinische Laufbahn.

Zusammenfassung

Kriegsbeginn und Feldzüge (1939–1943)

Der Autor wird im August 1939 direkt aus seiner Tätigkeit an der Chirurgischen Klinik Freiburg eingezogen. Nach dem Sitzkrieg am Oberrhein nimmt er 1940 am Frankreichfeldzug teil und wird im Juli 1941 nach Russland verlegt. Trotz der Umstände beschreibt er diese Phase als vergleichsweise geordnet, unterbrochen von Heimaturlauben und Besuchen der Familie.

Die Katastrophe im Osten (1944)

Im Mai 1944 erkrankt der Autor in Russland (Raum Orscha/Gorodec) schwer an Fleckfieber. Sein Zustand ist kritisch (Thrombosen, Lungenentzündung), ein Lufttransport wird wegen Lebensgefahr abgelehnt. Dies rettet ihm paradoxerweise das Leben: Während die sowjetische Großoffensive „Bagration“ die Heeresgruppe Mitte zerschlägt, wird er Anfang Juni 1944 im letzten Moment per LKW und später per Lazarettzug evakuiert. Die Flucht führt unter Tieffliegerbeschuss und knapp vor den russischen Panzern über Minsk und Ostpreußen zurück ins Reichsgebiet.

Zerstörung der Heimat und Odyssee (Ende 1944 – Anfang 1945)

Nach der Genesung kehrt er im August 1944 nach Freiburg zurück. Doch die Ruhe währt kurz: Am 27. November 1944 erlebt die Familie den verheerenden Bombenangriff auf Freiburg, der ihre Wohnung zerstört. Sie fliehen zunächst in den Schwarzwald und dann – in einer tragischen Fehleinschätzung der Lage – zu Verwandten nach Drossen (nahe der Oder im heutigen Polen), wo im Dezember 1944 noch „tiefster Frieden“ herrscht.

Endkampf und Gefangenschaft (1945)

Ende Januar 1945 erreicht die Rote Armee die Oder. In allerletzter Minute (27.1.1945) gelingt dem Autor mit Frau und drei kleinen Kindern die Flucht aus Drossen über Berlin nach Sigmaringen auf die Schwäbische Alb. Das Kriegsende erlebt er als Arzt im Lazarett Schwäbisch Hall und später in US-Kriegsgefangenschaft in Bad Mergentheim. Die Bedingungen sind dort erträglich; er arbeitet als Lagerarzt und kann durch List sogar Kontakt zu seiner Frau halten.

Neuanfang (1946)

Im Januar 1946 erschleicht sich der Autor durch Angabe einer falschen Adresse die Entlassung aus der US-Zone und reist illegal in die französische Zone nach Freiburg ein. Die Familie wird wiedervereint. Er tritt eine Stelle als Oberarzt am Diakonissenkrankenhaus an und baut sich eine neue Existenz auf, später als Chefarzt in Emmendingen.

Fazit

Der Bericht, verfasst 1993 im Alter von 86 Jahren, endet mit einem Dank an seine verstorbene Frau Eva. Ihr schreibt er zu, dass er trotz der düsteren ärztlichen Prognosen nach seiner schweren Fleckfiebererkrankung ein hohes Alter erreichte. Es ist ein Dokument des Überlebenswillens und des familiären Zusammenhalts in extremen Zeiten.