Tagebuch Opa (Seite 1)

Am 26.8.39 früh 6.00 klingelte der Briefträger – Stellungsbefehl nach Heiligenberg! Krankenhaus angerufen, Operationen abbestellt, Bahnhof angerufen: Wo liegt Heiligenberg? Koffer gepackt, ins Krankenhaus gegangen, von Hosemann und Schwestern verabschiedet. Hosemann hatte schon Stellungsbefehl nach Donaueschingen! Abschied von der Familie, mit Zug nach Salem, Fussweg auf den Heiligenberg (726 m). Eingekleidet als Unterarzt, San. Komp. 2/260, Unterkunft Hotel Sommer (sehr gut). Aufstellung der Kompanie, Einteilung, Aussuchen der Operationsgruppen, Ausbildung des 2. Zugs, speziell der Operationsgruppen. Kriegserklärung am 1.9.39.

Nach etwa 8 Tagen kam Mamma mit den 2 Kindern und Emme! Gute Unter- kunft gefunden, abds. saßen wir meist (zusammen mit den übrigen Offizieren) auf der schönen Terrasse des Hotels. Spaziergänge im Park. Nach etwa 14 Tg. Erlaubnis für Rückkehr der Familie mit eigenem Auto erhalten, denn Benzin-Karten.

Nach 3 Wochen Verlegung der Komp. zum Einsatz nach Sulzburg! Krankenhaus war für uns geräumt, ich wohnte im Krkhs. Ev. [Eva?] war Sa-So öfter in Sulzburg sie konnte bei mir wohnen. Gemütliche Wochenenden, auch im Waldhotel Sulzburg.

Da ärztl. Versorgung im Univ. [Universitäts] Krkhs Freiburg sehr schlecht, kein Chef, kein richtiger Oberarzt, erhielt ich Genehmigung der Division, mit eigenem Auto (nur mit militär. Wimpel!) öfter zur Operation nach Freiburg zu fahren, mit Telephon-Bereitschaft!

So verlief die Zeit für uns ganz schön, hatte aber leider am 3. Mai 1940 ein Ende da wir über Sigmaringen, Tübingen, Limburg a.d.L., Trier, Luxemburg nach Frankreich kamen. Erster Einsatz am 9.6. 4.00 in Rethel, dann weiter über Dijon (am 22.6.40 Waffenstillstand mit Frankreich, gut gefeiert, da reichlich guter Alkohol vorhanden) und weiter durch Burgund (mit Abstechern nach Freiburg) über Belfort – Audincourt – Luxeuil – Nuits St. Georges am 11.9.40 nach Autun, unserem Standquartier! (Vorübergehend war ich nach Paray le Monial abgestellt). Am 2.7.41 Verladung nach Russland! – Und dann war’s aus!


Anmerkungen zum Kontext