Tagebuch Opa (Seite 5)

Adjutanten mit Besserungswünschen und einem wunderbaren Strauss aus Osterblumen und Narzissen! Woher er diese in Russland hatte, weiß ich nicht, aber möglich war ja alles. Ich stand mich immer gut mit ihm, im Gegensatz zu unserem Komp. Chef Breidenbach! (aber der war ja damals nicht mehr bei uns!) Der Strauss erinnerte mich allerdings daran, dass viele der bei uns durchgehenden Fleckfieberkranken die Heimat nie erreicht hatten. – Ich wollte natürlich so bald wie möglich nach Haus, aber unser Internist, der mich untersucht hatte, war schlauer als ich, er verhinderte jeden Transport. Der Corps-Arzt beantragte sofort, dass der beratende Internist zu mir kommen müsste, das war ein Prof. Blöck, Internist an der Univers. Klinik Wien! Es wurde auch gleich zugesagt, aber wie sollte er zu mir kommen? Kleine Sportflugzeuge, die bei uns hätten landen können, wurden von den Partisanen abgeschossen, ebenso Autos mit militär. Bewachung. Schließlich musste er in einem Panzerwagen, und damit erreichte er mich. „Telefonisch“ hatte er bereits strengste Bettruhe für mich verordnet, trotzdem erlitt ich am 15.5. einen schweren Kollaps. Am 20.5. traf dann auch der beratende Arzt bei mir ein. In der Zwischenzeit hatte ich bereits eine Lungenentzündung, Kreislaufstörungen und Thrombosen gehabt. Als er zu mir kam, war ich ziemlich benommen, verstand also kaum was er sagte, auf mich machte er einen guten, beruhigenden Eindruck. Später erfuhr ich, dass er mindestens 3 weitere Wochen strenge Bettruhe und keinerlei Transport befohlen hatte, auch dann noch keinen Flugzeug-Transport. Ich wurde nur in ein etwas größeres Haus verlegt, Roth schlief jetzt auch nachts bei mir. Essen konnte bes... [unvollständiges Wort, vermutl. „bestellt werden“ oder „besorgt werden“], durfte ich, was ich wollte, aber ich konnte und wollte nicht. Unser Koch bot mir fast alles an, er kochte auch ausgezeichnet.


Anmerkungen zum Kontext