Tagebuch Opa (Seite 9)

am 9.6. Vormittags kam dann der Chef, ich hörte, wie er im Nebenraum fragte, wer im Omnibus sitzen könne, denn es wäre noch unsicher, ob auch Kr.Kr.W. [Krankenkraftwagen] für den Abtransport kämen. Dann kam er mit derselben Frage zu mir, aber ich konnte noch nicht so lange bei den schlechten Strassen sitzen. Ich liess mich also vertrösten. Nachmittags kamen dann 6 Kr.Wg. Ich wurde bald verladen und es ging ab. Die Strasse war leidlich, aber nach etwa ½ Std. plötzlich Fliegerangriff auf uns: Die Wagen hielten, und wer rennen konnte, versteckte sich unter irgendwelchen Büschen. Ich sah mir den „Spass“ von der Bahre aus an: 6 amerikan. Jagdflugzeuge (bisher in Russland noch nie gesehen) beschossen unsere Fahrzeuge mit Leuchtspur- munition! Nach 3 Runden drehten sie wieder ab und verschwanden Es hatte aber keine Verletzten bei uns gegeben, aber von den Kr.Wg. aus sahen wir durch die Hintertüren ein grosses Flammenmeer. Das war der Ort, aus dem wir gerade kamen! Ein grosses Benzin- lager war getroffen worden, und der Ort hatte nur Holzhäuser! Also wieder Glück gehabt!

Wir kamen dann unbehelligt in einen grösseren Ort mit Lazarett Ich kam in einen grösseren Saal im 3. Stock, aber fast leer. Bett und Versorgung waren gut, nachts Fliegeralarm! Wir wurden nach und nach mit Bahren in den Keller getragen, es war kalt, aber es kamen noch Decken. Morgens kamen wir dann wieder in die Betten, jetzt mit dem Fahrstuhl. Nachmittags dann die freudige Nachricht, es kommt ein Zug! Am Ort endete eine kleine Nebenbahn, wir wurden allmählich zum Zug gefahren, als „Kranker“ war ich der letzte. Wir fuhren an dem langen Zug entlang, aber nirgends ein freies Bett! Schließlich kam von hinten der Ruf: Hier noch 2 freie Betten! Es war ein langer Güterzug, in einen Lazarettzug


Anmerkungen zum Kontext

Der Satz am Ende bricht ab („...in einen Lazarettzug“), vermutlich geht es auf der nächsten Seite weiter mit „...umgebaut“ oder einer ähnlichen Beschreibung.