Tagebuch Opa (Seite 18)

Schwestern aus Berlin, darunter eine sehr gute Op-Schwester und die Oberschwester. Die Haupt-Helfer waren natürlich die San. Soldaten. Viel ärztliche Tätigkeit ausser Visiten gab es nicht, Operationen höchstens 1–2 in der Woche. – Die Ärzte waren alle recht nett, wir konnten uns ja im Kasernen-Bereich frei bewegen. Als Speiseraum diente uns das frühere Casino der Offiziere.

Am 4.5.45 wurde das Kriegsende verkündet! Wo war der Friede? Das deutsche Essen war mäßig, am 9.7.45 wurde die Offiziers- verpflegung von 1400 Kal. auf amerikan. Verpflegung von 4.000 Kal. erhöht! In 14 Tagen nahm ich von 68 auf 70 kg. zu. Es war also alles erträglich, das Blödeste war, dass alle Ärzte und Pfleger tägl. früh um 8 Uhr auf dem Kasernenhof antreten mussten und wir aufgerufen wurden, jeder musste bei seinem Namen „hier“ rufen. Am 1.8. schrieb ich den 1. Brief an Mama nach Hettingen. Es gab ja keine Post, aber die Briefe kamen wohl immer an, wenn auch oft erst nach 4 Wochen.

Am 7.9. erschien Evchen! Die Besucher durften zwar nur bis in die Nähe des Drahtzauns, aber die Besatzung ging auch mal weg. Ein „Zaun-Steher“ benachrichtigte mich und ich ging schnell hin. Wir hatten einen Plan: Mama hatte am li. [linken] Ellenbogen eine Warze, ich ging zum wachhabenden Offizier und sagte, dass ich bei ihr eine „blutende Warze“ entfernen möchte. Sie wurde durch den Haupteingang hinein geholt, er (selbst Arzt) sah sich die Warze an, war sehr höflich und genehmigte die „Operation“. Sie durfte 3 Stunden bleiben, ich operierte sie, und die Schwestern kochten einen guten Kaffee! So war es noch ein netter Nachmittag. Am 24.10. erschien Ev wieder. (Es fuhren ja keine Züge für Zivilisten, sie sass von Hettingen bis Mergentheim oben auf der Ladung eines Lastwagens, mit öfterem Wechsel, aber das war


Anmerkungen zum Kontext